Wie der Bisonkopf nach Lüneburg kam
(Erinnerungen von HFw der Reserve R. Schrader)
(Erinnerungen von HFw der Reserve R. Schrader)
Im Mai 1992 verlegte das Panzerartilleriebataillon 325 aus Schwanewede auf den Truppenübungsplatz Shilo (Manitoba / Kanada). Unsere 2./85 wurde für den Zeitraum der Übung dem Bataillon unterstellt und ging mit nach Kanada. Da Ende Juni die Dienstzeit der Wehrpflichtigen und einzelner Dienstgrade endete und ab 01.07.1992 die Ausbildung der neuen Rekruten begann, sind die meisten Unteroffiziere im Standort verblieben um dafür Vorbereitungen zu treffen. An ihrer Stelle gingen Dienstgrade der 3. Batterie sowie einzelne des FArtBtl 31 mit nach Kanada. An Stelle des Batteriefeldwebels leistete HFw der Reserve M. Messer eine Reserveübung ab und vertrat ihn in Kanada. Ich übernahm die Aufgaben des Batterietruppführers der 2. Batterie in Kanada.
Vor der Abfahrt aus Lüneburg übergab uns der Batteriefeldwebel der 2. Batterie ca. 1000,00 DM aus der Unteroffizierskasse mit den Worten „Bringt mir etwas kleines büffeliges mit.“ Da ahnte keiner von uns, dass dieser Wunsch sehr schnell in Erfüllung gehen sollte.
Nach unserer Ankunft im Camp Shilo machten Kamerad Messer und ich uns auf den Weg zur Stabs- und Versorgungskompanie Shilo, um Feldwebel Kyrkos zu treffen. Er war der Munitionsfeldwebel des Panzerartilleriebataillon 85 und für 9 Monate nach Shilo abgeordnet. Als wir das Stabsgebäude betraten, erblickten wir im Eingangsbereich drei ausgestopfte Tierschädel, die eine der Wände zierten. Neben einem Wapiti- und einem Hirschkopf hing dort auch ein riesiger Bisonschädel. Beide hatten wir den gleichen Gedanken. Das wäre ein prima Mitbringsel für den Batteriefeldwebel der 2./85.
Eigentlich mehr zum Spaß fragten wir Fw Kyrkos, ob und wo man solch einen Bisonschädel erwerben könnte. Er versprach uns, sich mal umzuhören. Zwei Wochen später, wir hatten unser Gespräch längst vergessen, meldete er sich bei uns und sagte, er hätte einen Bisonschädel für uns und wir könnten noch am Abend hin und ihn abholen. Als er uns den Preis nannte, mussten wir doch erst einmal schlucken. 850 kanadische Dollars sollte er kosten. Das waren knapp 1000,- DM. Diese Ausgabe konnten und wollten wir nicht alleine treffen und so fragten wir die wenigen Unteroffiziersdienstgrade, der 2. Batterie, die mit nach Kanada gekommen waren. Leider waren sie nicht sehr entscheidungsfreudig. So entschieden wir beide, den Bisonschädel zu erwerben.
Wir trafen uns abends mit Fw Kyrckos und fuhren los. Der Farmer sollte kurz hinter Brandon wohnen. Brandon liegt ca. 30 Meilen entfernt vom Camp und ist die nächste größere Stadt. Die Fahrt dauerte ca. 2 Stunden, dann trafen wir bei einem Farmer ein, der Bisons züchtete. Als wir sein Wohnzimmer betraten, hing der Schädel dort über dem Kamin. Ein imposanter Bisonkopf. Der Farmer erklärte uns, dass einer Ausfuhr nichts im Wege stehe, da es sich um einen Zuchtbison handelte und nicht um einen freilebenden. Nach einem kurzen Gespräch war klar, der Schädel muss mit nach Lüneburg. Wir gaben dem Farmer das Geld und nahmen den Bisonschädel von der Wand. Anschließend ging es zurück ins Camp Shilo.
Einige Tage später lag die Transportgenehmigung vor. Somit stand der Mitnahme des Bisonkopfes nichts mehr im Wege. Am Tag vor der Rückreise hatte der Bisonkopf aber noch einen Auftritt. Im „Saloon“, der Kantine im Camp. Die Dienstgrade des Vorauskommandos des Panzeraufklärungsbataillons 3, die das Camp nach uns nutzen würden, wollten nicht glauben, dass wir einen echten Bisonschädel erstanden hatten und diesen mit nach Deutschland nehmen wollten. Und so trieben wir den Bison noch einmal durch den Saloon. Am nächsten Tag trat der Schädel in einem großen Pappkarton seinen Weg nach Deutschland an.
In Köln gelandet, nahmen wir den Schädel mit in den Bus und fuhren zurück nach Lüneburg. Dort wurden wir vom Batteriefeldwebel der 2. Batterie in Empfang genommen. Als wir ihm den Bisonschädel überreichten und ihm mitteilten, dass die Unteroffizierskasse damit fast leer sei, hat ihn fast der Schlag getroffen. Aber bereits kurz danach wurde ein würdiger Platz im Batteriegebäude gesucht.
Heute hängt der Schädel im Traditionsraum der 2. Batterie in der Theodor-Körner-Kaserne. Er hatte noch andere Auftritte, aber davon berichten wir ein anders Mal.