
In der Regel gingen Bundeswehreinheiten Patenschaften mit einer Gemeinde ein. Dieses wurde auch im Panzerartilleriebataillon 85 so gehalten. So entstanden Patenschaften zwischen der Stabs- und Versorgungsbatterie und der Stadt Bleckede oder zwischen der 2. Batterie und der Gemeinde Echem.
Die 3. Batterie machte hiervon eine Ausnahme. Die Patenschaft wurde nicht mit einer Gemeinde begründet, sondern mit einem Schützenverein. Dem Schützenverein Schwinde und Umgegend von 1919 e.V.
Die Patenschaft wurde 1979 begründet und bestand bis zur Auflösung des im Jahre 1996
Ein Schild als Zeichen der gelebten Patenschaft
(Zeitungsartikel von Christa Stüven)
ten Stove. Von 1980 bis 1996 dauerte die Patenschaft zwischen dem Schützenverein Schwinde und der dritten Batterie des Panzerartilleriebataillons 85 in Lüneburg. Zum zehnjährigen Bestehen 1990 schenkten die Schützen den Soldaten in Lüneburg ein großes Schild, das auf die Patenschaft hinweist und vor dem Block der Patenbatterie in der Scharnhorst-Kaserne Platz fand. Jetzt ging das Schild in einer kleinen Feierstunde zurück nach Stove zu den Schützen, denn in Lüneburg fehlt der Platz dafür.
Bei der offiziellen Übergabe im Stover Schützenhaus waren aus der Patenbatterie des 1996 aufgelösten Panzerartilleriebataillons alle die dabei, die die Patenschaft einst mitbegründeten: Oberstleutnant a. D. Hans-Georg von Kowalkowski, der auch Vorsitzender des Traditionsverbandes 85 e.V. in Lüneburg ist, Oberstleutnant a. D. Karl-Heinz Kieserling, früher Hauptmann und Batteriechef, Batteriefeldwebel Jürgen Siebert sowie Dieter Heidtmann aus Schwinde, der damals als Oberfeldwebel der Batterie angehörte und den Kontakt zum örtlichen Schützenverein knüpfte. Die Motoren der Patenschaft im Schützenverein leben nicht mehr: Präsident Hermann Kloodt, Ehrenpräsident Herbert Grote und Kommandeur Alfred Wenck.
Präsident Hans-Werner Clasen, Hans Voß als sein Vorgänger im Amt des Präsidenten, Erhard Feige, Wolfgang Hey und Dieter Kloodt nahmen für den Schützenverein an der Feierstunde teil.
Als 1996 das Bataillon in Lüneburg aufgelöst wurde, wechselte das Schild in die Räume des Traditionsverbandes. Da dort aber wenig Platz ist, regte der ehemalige Spieß Jürgen Siebert nach Gesprächen mit den Vorständen die Rückgabe an die Schützen an. Im Schützenhaus schmückt das Schild jetzt eine Wand des Schießstandes.
Von Kowalkowski, der bis 1986 in dem Bataillon tätig war, erlebte die Patenschaft als eine sehr herzliche Verbindung. Er erinnerte in seiner Ansprache an viele Treffen zwischen Schützen und Soldaten, insbesondere an das feierliche Gelöbnis im Stover Holz, das – so der Oberstleutnant a. D. – in einer festlichen gelösten Stimmung stattgefunden habe. Das Schild stehe für eine gelebte Patenschaft. Dass diese dann endete, sei der Lauf der Geschichte. Behalten habe man viele Erinnerungen an die Verbindung, die nie ganz abgerissen sei.
Als besonders erfreulich wertete von Kowalkowski die Tatsache, „dass einer unserer Jungs heute hier Präsident ist“. Hans-Werner Clasen lernte über die Patenschaft seine spätere Frau kennen und ist heute fest verwurzelt in der Elbmarsch. Der amtierende Präsident freute sich, „dass das Schild als sichtbares Zeichen der Patenschaft einen guten Platz im Schützenhaus gefunden hat“. Sein Schwiegervater Hans Voß hatte noch eine Überraschung dabei: gesammelte Zeitungsausschnitte über Ereignisse aus der Zeit der Patenschaft.
Die Gründung der Patenschaft


(Erinnerungen von J. Siebert)
Anfang 1979 wurde in einer Dienstbesprechung das Thema Patenschaften besprochen. Vom Bundesministerium für Verteidigung erging immer wieder die Aufforderung an die Einheiten der Bundeswehr, in der Nähe ihres Standortes Patenschaften zu begründen.
Oberfeldwebel Dieter Heidtmann machte den Vorschlag, beim Schützenverein „Schwinde und Umgegend von 1919 e. V.“ anzufragen, ob Interesse an einer Patenschaft bestehe. OFw Heidtmann, der in der Gemeinde Schwinde beheimatet ist, fragte beim Schützenverein an und meldete, dass ein gewisses Interesse bestehe, aber auch Skepsis.
Es wurde ein Treffen vereinbart, welches beim amtierenden Präsidenten des Schützenvereins Hermann Kloodt in der „guten Stube“ statt fand. Teilnehmer waren auf Seiten der 3. Batterie der Batteriechef Hauptmann Kieserling, der Batteriefeldwebel (Spieß) Hauptfeldwebel Siebert und Oberfeldwebel Heidtmann. Auf Seiten des Schützenvereins nahmen der Präsident H. Kloodt †, der Ehrenpräsident H. Grote † und der Kommandeur A. Wenk † am Treffen teil. Es gab eine offene und zum Teil sehr kontrovers geführte Diskussion, die zu dem Ergebnis führte, noch einmal ins Detail zu gehen. Es folgten noch mehrere Treffen bis als Ergebnis die Gründung der Patenschaft fest stand. Die Mitgliederversammlung des Schützenvereins stimmte am 22. Juni 1979 mit überwältigender Mehrheit für die Patenschaft.
Am 03. August 1979, dem Geburtstag von Spieß Siebert, wurde beim Kommers zu Beginn des Schützenfestes die Patenschaft feierlich begründet. Die Übergabe der Patenschaftsurkunde erfolgte im Beisein des Battaillonskommandeurs Jürgen Mein durch Hauptmann K.-H. Kieserling, Hauptfeldwebel J. Siebert und des Initiators Oberfeldwebel D. Heidtmann an den Schützenpräsidenten H. Kloodt. Begleitet wurde der Festakt durch eine große Abordnung der 3. Batterie, Hochrangige Vertreter der Gemeindepolitik und des Bezirksschützenwesens.